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Entscheidende Qualitätsverbesserung in der Diagnostik der Tuberkulose-Infektion
Bedeutung des „QuantiFERON® TB Gold-in Tube“ und des „Mitogentests“ in der Praxis

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Bei Kontakt mit Personen, welche an Lungentuberkulose erkrankt sind, wurde zum Ausschluss einer TBC seit vielen Jahrzehnten eine Thoraxröntgenuntersuchung durchgeführt. Diese ermöglicht wohl den aktuellen Ausschluss einer aktiven Erkrankung an Tuberkulose, eignet sich jedoch nicht zur Feststellung einer Infektion mit Tuberkuloseerregern und damit zur Einschätzung eines Tuberkuloserisikos.

Die bisherige Diagnostik der Tuberkuloseinfektion ist lediglich durch den Tuberkulin-Haut-Test, einem Allergietest vom Typ IV nach Coombs und Gell (Reaktion vom Spättyp) auf Stoffwechselprodukte des Mycobacterium tuberculosis möglich. Aufgrund häufig falsch negativer Testergebnisse wurde der Stempeltest (Monotest, Tine-Test) zugunsten eines präziseren Testes, des „Mendel-Mantoux-Testes“ schon vor einigen Jahren aufgegeben. Beide beruhen auf dem Nachweis der Sensibilisierung von Lymphozyten auf Tuberkulin, eines Stoffwechselproduktes der Tuberkelbakterien.

Diese Hautreaktion ist jedoch von einer Reihe von Faktoren abhängig. Auch Personen, die gegen Tuberkulose geimpft wurden oder mit atypischen, für Gesunde ungefährlichen Mykobakterien infiziert sind, reagieren mit einem positiven Tuberkulintest. Andererseits gibt es eine Reihe von Ursachen für falsch negative Ergebnisse.




Mit dem „QuantiFERON TB Gold Test in Tube" steht erstmals ein Serumtest zur Verfügung, der eine Infektion mit Tuberkelbakterien anzeigt. Er beruht auf dem Nachweis von TBC-spezifischem Interferon-γ und ist unabhängig vom Nachweis allergischer Reaktionen an der Haut, wie dies beim Tuberkulin-Haut-Test der Fall ist.


Zudem reagiert dieser Serumtest bei Personen trotz einer frischen Tuberkulose-Impfung negativ, sodass Impfreaktionen von echten TBC-Infektionen unterschieden werden können.

Wenn auch in Österreich die Tuberkuloseimpfung schon seit so langer Zeit ausgesetzt ist, dass positive Tuberkulinreaktionen nicht mehr durch Impfungen verursacht werden, so ist dies besonders für Personen aus Ländern wichtig, in denen noch regelmäßig BCG-Impfungen durchgeführt werden. Und diese Länder zählen meist auch zu den Tuberkulose-Risikoländern mit hoher Prävalenz.

Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Tuberkulintest ist der negative Ausfall des Serumtestes bei Infektionen mit den meisten atypischen Mykobakterien.

Dadurch können Infektionen durch Mycobacterium tuberculosis Typ humanus (Erreger der Lungentuberkulose) von der großen Zahl atypischer Mykobakterien abgegrenzt werden, die ebenfalls ein positives Ergebnis im Mendel-Mantoux-Test bewirken, aber klinisch meist irrevelant sind.




Mehrmalige Tuberkulin-Haut-Tests führen aufgrund der „Booster-Reaktion“ zu einer Verstärkung der Immunantwort, sodass eine Unterscheidung zwischen diesem Immunphänomen und einer frischen Infektion problematisch sein kann. Diesen Effekt gibt es bei der Bestimmung des TBC-spezfiischen Interferon-γ nicht.

Positive Reaktionen entstehen lediglich durch Infektionen mit Mycobacterium kansasii, africanum, marinum, szulgai und bovis, welche jedoch für den Lungenfacharzt klinisch relativ leicht abzuklären sind.

Der Serumtest ist mit einer Sensitivität von über 87 %, einer Spezifität von über 90 % und einer Reproduzierbarkeit von über 97 % ein zuverlässiger Test zur Entscheidungshilfe zur Feststellung einer TBC-Infektion. Wie beim Hauttest kommt es jedoch erst 4 – 10 Wochen nach inhalativem Kontakt mit Tuberkuloseerregern zum Nachweis einer Immunreaktion durch Ausbildung von TBC-spezifischem Interferon-γ.

Entsprechend den internationalen Empfehlungen sollte der QuantiFERON TB Gold Test derzeit nur in Kombination mit dem Tuberkulin-Haut-Test nach Mendel-Mantoux durchgeführt werden, da für bestimmte Fragestellungen die wissenschaftliche Datenlage noch nicht ausreichend ist.




Bei Personen mit krankheits- oder behandlungsbedingtem Immundefizit ist es möglich, dass nicht nur der Tuberkulin-Hauttest sondern auch der QuantiFERON TB Gold Test negativ ausfällt. In diesem Fall schließt ein negativer Haut- oder Serumtest eine TBC-Infektion nicht aus. Da es aber eine große Anzahl von Ursachen gibt, welche mit einen negativen Tuberkulin-Haut-Test ohne Immunmangel einhergehen, ist dieser „Allergietest" mit entsprechender Unsicherheit in der Aussage über eine TBC-Infektion verbunden.

Hier bietet sich durch den „Mitogentest" ein weiterer Vorteil des Serumtestes an:

Im Rahmen der Bestimmung des TBC-spezifischen Interferon-γ kann mit diesem Zusatztest das gesamte in- und extrazelluläre Interferon-γ bestimmt werden. Ein ausreichend hoher Spiegel bei fehlendem TBC- spezifischen Interferon-γ schließt einen Immundefekt aus. Fällt jedoch der Mitogentest negativ aus, wird dadurch eine Immunschwäche als Ursache des negativen QuantiFERON TB Gold Testes bestätigt und eine Tuberkuloseinfektion ist weder im Hauttest noch im Serumtest erkennbar. In diesem Fall ist bei Verdacht auf TBC eine klinische Abklärung notwendig.

Indiziert ist dieser Zusatztest bei jedem Verdacht einer Immunschwäche (Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Virusinfekte, Zustand nach Organtransplantationen, Neoplasien, Therapie mit immunsuppressiv wirkenden Medikamenten inkl. Kortison, Strahlentherapie usw.).

 




Zur Untersuchung wird 2x5 ml heparinisiertes Vollblut (Lithium-Heparinat-Röhrchen ohne Gel) benötigt. Der Transport in das Labor des LKH Enzenbach muss innerhalb von 7 Stunden und bis spätestens 13 Uhr gewährleistet sein, wobei aufgrund der 2-tägigen Verarbeitung die Zusendung nur an Werktagen, jedoch an Freitagen bzw. an Werktagen vor einem Feiertag nicht möglich ist.  

Die vorgegebene Zeit muss jedoch strikt eingehalten werden, da ansonsten die Blutprobe nicht verarbeitet werden kann.

Krankenhäuser mit Serumlabor können sich der Originalröhrchen bedienen und den ersten Analyseschritt (Inkubation, Zentrifugation) im Haus durchführen. Danach können die Serumröhrchen per Post an unser Tuberkuloselabor gesandt werden. In diesem Fall ist eine Kontaktaufnahme mit den Biomedizinischen Analytikerinnen unseres Labors notwendig. Eine entsprechende Einschulung wird gerne und kostenlos durchgeführt. 

Wir ersuchen Sie, das Blutabnahmeröhrchen mittels Anforderungsschein (erhältlich unter Tel. Nr. 03124/501-2007 oder 03124/501-2050) an folgende Adresse zu senden:

LKH Enzenbach
Tuberkuloselabor
8112 Gratwein-Straßengel

Die Kosten für einen QuantiFERON TB Gold Test betragen bei Zusendung der Proben € 97,22  und bei Blutabnahme in der Ambulanz € 115,02 . Da kein Direktverrechnungsvertrag mit den Krankenversicherungsträgern besteht, können Proben von niedergelassenen Ärzten nur unter Verrechnung mit den Zuweisern bearbeitet werden.

Zum Downloaden:

Begleitschein für Quantiferon Testeinsendungen.PDF

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen unter Tel.Nr. 03124-501-2050 (Labor) gerne zur Verfügung.  

Prim. Dr. Gert Wurzinger

Vorstand der Abteilung für Lungenkrankheiten
LKH  Hörgas/Enzenbach
 







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 Letzte Änderung: 28.09.2017

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